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Der Schiefe Turm von Pisa: die Rampensau Italiens

Der Superstar unter den schiefen Türmen der Welt ist eindeutig der Schiefe Turm von Pisa.
Im gleichnamigen Ort in Italien gelegen, zieht er jedes Jahr Millionen von Touristen an und ist damit eine der Hauptattraktionen Italiens. Neben Venedig natürlich, das ebenfalls im Fokus der Touristen steht. 

Doch hast du gewußt, dass der Schiefe Turm von Pisa nur EIN Gebäude in einem Komplex aus vielen monumentalen Prachtbauten ist?

Der Turm: ein Superstar Italiens

Immer wieder lese ich über den Schiefen Turm von Pisa und wie begeistert die Menschen davon sind. Instagram und Facebook sind gepflastert mit Bildern, auf denen scheinbar am Turm geleckt, gelehnt oder hochgeklettert wird – natürlich nur aus dem fotografisch richtigen Winkel. Ist schon lustig.Pisa Turm Reise

Als ich dann selbst auf dem Weg dorthin war, habe ich also genau das erwartet: einen eindrucksvollen schiefen Turm, einsam auf weiter Flur und Massen von Touristen. Es war auch ungefähr so, Aber eigentlich auch nicht, denn die Lage ist um einiges vielfältiger als gedacht!

Deshalb ist es mir ein Anliegen, diesen Artikel zu schreiben und die Aufmerksamkeit auf all die anderen wunderbaren Gebäude zu lenken, die den Turm umgeben.

Um die Piazza dei Miracoli (dtsch. „Platz der Wunder“) zu finden, der Ort an dem der Turm steht, braucht man nur den Schildern, Reisebussen oder Touristen zu folgen. Alle Straßen führen nach Rom… äh…zum Turm.

Wer hat den Schiefen Turm von Pisa gebaut?

Die gesamte Anlage rund um den Turm in Pisa gehört zum Erzbistum Pisa, also der römisch-katholischen Kirche. Diese hat den Dom , beginnend im Jahre 1063, in damals innovativem, kreuzförmigem Grundriss, mit einer Bauzeit von insgesamt 200 Jahren errichtet. Später dann auch den Turm von Pisa, der eigentlich nur Beiwerk zu dieser imposanten Kathedrale ist. 

Geplant war ein eindrucksvoller, runder Turm aus Mamor, für damalige Zeit ebenfalls ein Novum und später Vorbild für andere Türme in Siena und Florenz. Die Architekten, darunter der Bildhauer Bonanno Pisano, planten den Glockenturm zu Pisa mit einer Gesamthöhe von 100 Metern und am 9. August 1173 wurde mit dem Bau begonnen. Er sollte Kirchenvertretern im Notfall außerdem als Zufluchtsort dienen.

Doch was ist passiert?

Warum ist der Turm von Pisa überhaupt schief?

Bauarbeiten für große Bauwerke dauerten in der damaligen Zeit viel länger als heute. Dagegen sind die peinlichen Verzögerungen rund um den Bau des neuen Berliner Flughafens Schönefeld ein Klacks.

Nach satten 12 Jahren Bauzeit war die dritte Etage fertiggestellt und es fiel zum ersten Mal auf, dass sich der Turm Stück für Stück nach Südosten neigte.

Heute ist der Grund für die Neigung des Schiefen Turms von Pisa bekannt: 

Die Gegend, in der die gesamte Anlage steht, war in der Antike eine noch direkt am Mittelmeer gelegene Insel. Pisa war zu damaligen Zeiten übrigens eine Seemacht und später im Mittelalter in ständigem Machtkampf mit den Venetianern.

Durch fortschreitende Versandung entstand immer mehr Bauland. Auf eben diesem steht der Platz Piazza dei Miracoli und der Turm ausgerechnet direkt am Ufer zum einstigen Meer.

Eigentlich ziemlich cool, oder? 

Aus diesem Grund gibt aber leider auch das Fundament unter dem Gewicht des 14.000 Tonnen schweren Turms allmählich nach. Die Bodenbeschaffenheit aus Lehm und Sand wurde von den Architekten der damaligen Zeit nicht bedacht.

Also nach heutigen Maßstäben ein Baufehler. Nach damaligen wohl auch.

Wann wird der Schiefe Turm von Pisa umfallen

Habt ihr euch auch mal gefragt: Wann fällt der Schiefe Turm von Pisa eigentlich um? 

Ich persönlich frage mich dabei auch leise: Was macht Pisa eigentlich, wenn das passiert? Es gibt sonst nicht viel dort und quasi die gesamte Wirtschaft, auch in der direkten Umgebung, ist auf den Massentourismus ausgelegt. Naja, neben der Universität, deren Studenten mit etwa 40.000 die Hälfte der Einwohner Pisas stellt.

Werden wir dann den Turm mit einer riesigen Krücke in Form eines Gerüstes sehen, um ihn am Umfallen zu hindern? Das wäre lustig anzusehen.

Nein. Seine größte Neigung hatte der Turm bisher bei 5 Grad im Jahre 1993, was für ein Gebäude problematisch ist. Daraufhin wurde ein weltweiter Aufruf formuliert, der Baustatiker bat, eine Lösung zur Stabilisierung des berühmten Turmes von Pisa auszuarbeiten.

Zuerst stabilisierten Bleigewichte von 850 Tonnen das Fundament auf der Gegenseite der Neigung, dann wurde ein System entwickelt, mit dem in fortlaufender „Pflege“ immer wieder lehmiger Boden freigelegt wird und so die Neigung minimiert. Der Turm wird wohl für immer betreuungsintensiv bleiben.
Im Jahre 2001 ist ein ausführlicher Artikel dazu im Fachmagahzin „Ingenieur“ erschienen.

Wir sehen: es wird wohl nicht passieren, dass der kämpferische kleine Turm von Pisa einfach umfällt.

Der Dom und sein Glockenturm

Italien und Pisa haben mehr zu bieten, als nur den schiefen Turm
Der Dom und sein berühmter Turm

Zuerst einmal ist die Altstadt von Pisa ein wirklich klitzekleiner, netter Ort.

Ein paar Straßen, viele Restaurants und Pferdekutschen. Außen herum ist der Ort gewachsen und hat sich um Einfamilienhäuser mit Grundstücken und Schnellstraßen erweitert. Ein Tagesausflug reicht hier völlig. In ein paar Stunden hat man alles gesehen.

Eingebettet in die Stadt – Piazza dei Miracoli
(„Platz der Wunder“)

Aus der recht engen Zuführungsstraße trifft man ganz unerwartet auf den großen Platz, der auf einer großen Wiese endet und von der alten Stadtmauer umgeben ist.

Drei Meisterwerke mittelalterlicher Baukunst erheben sich hier in blendendem Weiß:

  • die eindrucksvolle Kathedrale Santa Maria Assunta auf der Piazza del Duom ( zu der der (Glocken-)turm gehört)
  • eine Friedhofsanlage „Camposanto Monumentale“
  • das Baptisterium

Reise zum schiefen Turm von PisaInmitten dieser wunderschönen, monumentalen Bauwerke geht der berühmte Schiefe Turm fast unter in einem Meer aus tiefem Grün, strahlendem Himmelblau und weißen Marmorsteinen.

Einst war der Turm war als freistehender Glockenturm für den Dom in Pisa geplant. Daraus ist aber nichts geworden.

Generell sind die gut gepflegten Wiesen eine gute Gelegenheit, auszuspannen oder sich zu sonnen.

 

 


Wenn täglich um 12 Uhr die 7 Glocken des Turmes läuten, ist der Andrang am größten, auch an dem kleinen Souvenir-Flohmarkt am Rande des Geländes, im Schatten der Stadtmauer. Diese Mauer umschließt fast das gesamte Areal und ist durch kleine Durchgänge unterbrochen.


 

Die Kathedrale (Dom) Santa Maria Assunta

Öffnungszeiten Kathedrale: täglich 10-19 Uhr
Adresse: Piazza del Duomo, 56126 Pisa
Anfahrt:

  • Bahnhof Pisa Centrale mit Bus (Linie 4, Linie 21) Richtung Piazza Manin oder Piazza Arcivescovado
  • Mit dem Auto: Parkplätze an der Via Pietrasantina

Die eindrucksvolle Kathedrale neben dem Turm muss man gesehen haben! Von außen unglaublich feine Marmorverzierungen und innen eindrucksvoll groß mit einer wunderbar bemalten Kuppel.

Der Dom wurde im Mittelalter gebaut und obwohl sie eigentlich Santa Maria Assunta zu Ehren errichtet wurde, war ihr ursprünglicher Name Santa Maria Maggiore. Ihre heutiges Aussehen verdankt sie wiederholter Restaurierungen  und Änderungen, auch an der äußeren Fassade. Diese Bauarbeiten fanden in verschiedenen Epochen statt, wobei die wohl stärkste Veränderung nach einem verheerenden Brand im Jahr 1595 vorgenommen wurde, in der das komplette Dach neu gebaut werden musste.

Friedhofsanlage „Camposanto Monumentale“ 

Öffnungszeiten: Im Sommer ist der Friedhof täglich von 8 bis 19.30 Uhr, im Frühjahr und Herbst von 9 bis 17.30 Uhr und im Winter von 9 bis 16.30 Uhr geöffnet.

Anfahrt: Piazza dei Miracoli56126 Pisa, Italien
Tel: +39 050 835011

Der dazugehörige Friedhof Camposanto ist klein, aber von großzügigen Wandelgängen und einer Mauer umgeben. In den Gängen mit halbrunden Fenstern und altem Steinboden ist es kühl und schattig.

Man traut sich kaum zu sprechen in dieser Ruhe, in dem jedes Wort widerhallt.

Wer Stille und eine Flucht vor den Touristenmassen sucht ist hier genau richtig. Seit 1987 gehört die gesamte Anlage aus Turm, Dom, Baptisterium und Friedhof zum UNESCO Weltkulturerbe.

Wo ist der schiefe Turm von PIsa

 

Baptisterium

Öffnungszeiten: täglich 9 bis 18 Uhr

Gegenüber der Kathedrale steht das Baptisterium, in 1152  begonnen und im 14. Jh. mit gotischen Elementen beendet. Es wurde nach dem Vorbild der Anastasis Rotunde des Heiligen Grabes in Jerusalem gebaut. Es beherbergt ein Taufbecken und ist die größte Taufkirche der christlichen Geschichte. 

Wegen der zylindrischen Bauweise findet man innerhalb der Rotunde eine ganz besondere Akkustik. Wenn man Glück hat stimmt einer der Wächter ein Lied oder einzelne Töne an, die durch das besondere Echoverhalten der Archtitektur zu einem echten Klangerlebnis werden.

Italien und Pisa haben mehr zu bieten, als nur den schiefen Turm
So entstehen die berühmten Fotos mit dem Turm. Danke an meine liebe Freundin Brine fürs Posen. 😀

So machst du die berühmten Pisa-Turm-Bilder

Wer sich schon immer gefragt hat, wie die Bilder mit dem Turm gemacht werden, die tausendfach durchs Internet geistern: Die Wiesen sind mit Steinsockeln umsäumt, auf die man sich stellt, um dann im richtigen Winkel mit dem Turm zu posen.

Am Abend, wenn die Reisebusse abgereist sind, der touristische Flohmarkt geschlossen und die Tagestouristen müde, kann man den ganzen Charme dieser Anlage erst so richtig genießen.

Holt euch eine Flasche Wein aus einer der umliegenden Bars oder Supermärkte, setzt euch im Halbdunkel auf die Bänke oder Steinsockel und genießt den Anblick. Leider ist die Anlage nachts nicht beleuchtet aber der schneeweiße Marmor lässt die Gebäude weiterhin erahnen.  Wunderbar !

Da ist es eigentlich auch egal, warum der Schiefe Turm von Pisa überhaupt schief ist.

Berühmte Söhne der Stadt sind übrigens Galileo Galilei und Fibonacci.

So sieht Pisa übrigens auch aus.

Genießt es und lasst den armen Turm in Ruhe 😀

Italien und Pisa haben mehr zu bieten, als nur den schiefen Turm

Eure

wunderlander,travelblogger,reiseblogger

 


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