Verlassene Orte Berlin: Abhörstation auf dem Teufelsberg

Listening to the old Berlin: Eine Stadt voller Geschichte und ungewöhnlicher Sehenswürdigkeiten. So auch die Abhörstation auf dem Teufelsberg in Grunewald in Berlin.  Wenn du Lust auf diesen besonderen Abschnitt bei deiner Reise nach Berlin hast, plane ein paar Stunden ein, die sich lohnen werden. Aber fangen wir am Anfang an.
Mit Fotogalerie.

Im Grunewald ist viel passiert. Viel Geschichte wurde geschrieben und damit neue Geschichte geschaffen. Ein Hügel aus Bauschutt wurde errichtet und begrünt. Ein Abriss aus Berliner Geschichte.

Verlassener Ort in Berlin

Die Abhörstation auf dem Teufelsberg in Grunewald gehört zu den bekanntesten, aber dennoch wunderschönsten dieser verlassenenen Orte. Sein historischer Charme wird durch die heutige Nutzung als Kreativschmiede für Künstler jeder Art ergänzt.

Was ist der Teufelsberg?
Auf dieser künstlichen Erhebung haben nach dem Zweiten Weltkrieg amerikanische und britische Alliierte eine Abhörstation gebaut, um bequem Berlin und Umland ausspionieren zu können. Diese Radarstation mit ihren vielen Gebäuden befindet sich im Berliner Grunewald, der zweithöchsten Erhebung Berlins. Der Teufelsberg erreicht eine Gesamthöhe von 120 Metern mit einem abschließenden Plateau von 48.000 m².

Die Ruinen der Spionagestation auf dem Gipfel kann man heute noch besuchen und taucht in eine völlig andere Welt ein. Der Weg auf den Hügel führt einen entweder zu Fuss durch idyllische Wälder oder mit dem Auto bis direkt vor die Tür. Aber Auto fahren kann ja jeder, ich schlage mich lieber Fuß zum Gipfel durch.

Teufelsberg berlin Verlassene orte

Geschichte: Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt

Den Feind auszuspionieren um seine Bewegungen zu kennen, bevor sie überhaupt ausgeführt werden wird wahrscheinlich schon seit Anbeginn der Zeit als Mittel genutzt, Kriege zu gewinnen.
Wie sagt schon ein Sprichwort: Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt.

Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges fanden der amerikanische und britische Geheimdienst den idealen Ort um die Kommunikation in Ost-Berlin auf einem Hügel in West-Berlin abzuhören.  Der Teufelsberg ist ein Hügel, der aus schätzungsweise 12 Millionen Kubikmeter Kriegsschutt (Trümmer von rund 400.000 Gebäuden) errichtet wurde. Dieser von Menschen erbaute Schuttberg wurde über einer von Nazis errichteten „Hochschulstadt“ gebaut, die zusammen mit dem Olympiagelände Teil der „Welthauptstadt Germania“ werden sollte.  Die Bauwerke wurden nie fertig gestellt. Da die amerikanischen und britischen Streitkräfte vergeblich versucht hatten, die Gebäudereste zu zerstören, war es am Ende einfacher, etwas Neues darüber zu errichten. Bevor der Platz als Abhörstation genutzt wurde, sollte er als Ski-Hügel genutzt werden, was aber nie geschah. So wurde einer der eindrucksvollsten verlassenen Orte in Berlin geschaffen.

Oben auf diesem Teufelsberg wurden also State-of-the-art Abhörtürme errichtet. Die Architektur war nie dazu bestimmt, diskret zu sein. Es gab drei riesige kugelförmige Globen, zwei rotierende Satellitenschüsseln, die hoch und riesig auf Gebäuden thronten. Diese Station war vermutlich Teil von ECHELON, einem globalen Netzwerk von Abhörstationen, das von der Nationalen Sicherheitsbehörde (NSA) betrieben wird.

Spionieren ohne Hindernisse Verlassene Orte in Berlin, Teufelsberg Gruneewald

Der Teufelsberg allein bot schon die besten Kommunikationssignale ohne Hindernisse. Als wäre das nicht genug, zeigte sich, dass das örtliche Riesenrad ihnen auch in die Karten spielte: Es wurde jedes Jahr für das Deutsch-Amerikanische Festival errichtet und verstärkte die Funksignale, die sie von den russischen Stützpunkten in Ostdeutschland erhielten. Danach wurden Vorkehrungen mit den Festivalorganisatoren getroffen, um das Riesenrad für längere Zeit nach dem geschlossenen Festival aufgebaut zu halten. Die US-amerikanische Armee-Sicherheitsbehörde (ASA) begann im Jahr 1961 ihre ersten SIGNT-Operationen (Signals Intelligence). 

Verfall des Teufelsberges und der Abhörstation

Nach dem Fall der Berliner Mauer wurde die Station verlassen und dem Verfall preisgegeben. Die Radaranlagen konnten noch eine zeitlang im Personenflugverkehr genutzt werden, wurden aber auch aufgegeben. Heute ist es ein Paradies für Graffiti-Künstler und Wochenend-Parties geworden. Die verfallenen und vergessenen Gebäude werden von Berlins Künstlerszene genutzt und die Natur hat sich ihr Terrain zurückerobert, Zucchini und Kartoffeln werden gepflanzt und Wände mit mehr oder weniger politischen Bildern besprüht.

Vandalen und die Naturgewalt haben zur Verschlechterung der unteren Etagen der Türme beigetragen. In der Vergangenheit gab es Gespräche, es in ein Museum zu verwandeln oder ein Hotel zu errichten, welches aber (glücklicherweise) von Protesten von den oben genannten Künstlern verhindert wurde. Aus offensichtlichen Gründen lieben es Geschichtsliebhaber lieben es, dieses Areal zu besuchen. Abgesehen davon bietet der Teufelsberg mit einer Höhe von 120 Metern eine der besten Aussichten auf Berlin.

Besuch des Teufelsberges: Einschleichen möglich

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Tanzen kann man da oben auch 🙂

Heute ist die Station nur bei geführten Wanderungen oder auf eigene Faust mit Eintrittszahlung zu besuchen (zur Zeit 8€ pro Person). Zur Seite des Betreibers geht es HIER.

Die Station ist von einem Zaun umgeben, um den Zugang offiziell zu beschränken. Aber die Besucher haben eine Öffnung in den Stacheldrähten gefunden und die Außentreppe benutzt, um die erhöhten Plattformen betreten zu können. Ich rate davon ab, denn das ist sehr riskant, ganz zu schweigen davon illegal. Es gibt einige unschöne Geschichten von Verletzungen oder Gefährdungen, wie unerwartete gefährlichen Öffnungen am Boden oder stolpern in einen offenen Aufzugsschacht. Wenn man die Station ganz früh morgens oder innerhalb der Woche besucht, ist es dort auch recht leer.

Dieses historische Meisterwerk sollte bei einem Berlinbesuch auf dem Plan stehen. Selbst ich als geborene Berlinerin brauchte 30 Jahre um dieses Areal zu entdecken! Viel Spaß beim Eintauchen in die Verlassenen Orte Berlins.

Adresse: Teufelsseechaussee 10 14193 Berlin

Mit der S-Bahn kann bis zum Bahnhof Heerstraße fahren und dann den wunderbar grünen Weg nach oben in ca. 30 Minuten laufen. Tipps für einen ersten Berlinbesuch gibt es HIER.


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